Gordon Gekko aktuell – Über das Investment Banking von heute

Drei Uhr morgens im Zentrum von Manhattan. Hubschrauberlärm lässt die Fenster erzittern. Der CEO kommt für ein dringliches Treffen um eine existentielle Krise der Bank abzuwenden. So oder so ähnlich stellt man sich es vor und so ist es vortrefflich in dem Film “Margin Call” von J.C. Chandor geschildert. Hier erkennt ein  junger Quantitativer Analyst, der im Risikomanagement der Bank arbeitet, hervorragend gespielt durch Zachary Quinto, eine existenziell gefährliche Schwankungsbreite in den Portfolien der Bank - etwas an dem sein Vorgesetzter aktuell gearbeitet hat bis er gefeuert wurde. Nicht zuletzt durch die tolle Leistung der Schauspieler beeindruckt der Film, aber genau so stellt man sich die entscheidenden Situationen in den amerikanischen Banken am Vorabend der Krise vor.

Ein Aspekt wird dabei sehr schön deutlich: Durch Ihre Komplexität und die starken wirtschaftlichen Anreize hat die Finanzindustrie immer die schlauesten Köpfe angezogen. Die Fähigkeit ein Team von hochintelligenten, exzellent ausgebildeten Mitarbeitern zu rekrutieren war für den Erfolg im Investment Banking immer entscheidend, so auch wunderbar im Buch "The Quants" von Scott Patterson beschrieben.

Dies gilt sowohl für die Investitions- / Handelsseite als eben auch für die Marktfolgeseite beispielsweise im Risikomanagement. Nur wenn alle Teile der Wertschöpfungskette im Investment Banking die intensive Komplexität bewältigen können, hat man einen Wettbewerbsvorteil. Ein Managing Director sagte mir vor Kurzem “Until 2008 you did not ask for permission, but for forgiveness”. Natürlich beschreibt der Satz für die Zeit vor 10 Jahren eine gewisse Hybris, die sicherlich damit zu tun hatte, dass man wusste Komplexitäten bewältigen zu können, die nur ein kleiner Teil von Experten im Griff hatte”, gleichzeitig ist der Satz auch ein Ausdruck für die Kreativität, welche die Rolle eines Bankers vor 2008 ermöglichte.

Mehr Regulierung bedeutet eine Einschränkung an Kreativität

Die politisch gesteuerte Regulierung schränkt die Kreativität im Banking stark ein. Ein langjähriger Chef des Aktienhandels in London quittierte seinen Job, da er die immer weiteren Verpflichtungen an die Regulierung nicht mehr mitmachen wollte. Er beschrieb die Tatsache, dass der Regulator jederzeit Einsicht in jede Akten und Transaktionen erhalten kann, als hinderlich. In diesem Fall müsse er alles stehen und liegen lassen und sich um die Anforderung des Regulators zu kümmern. Anstatt Kreativität und Innovation bei der Arbeit, sei es nunmehr das Ziel seiner MItarbeiter 10 Jahre lang möglichst keinen Fehler zu machen, um nicht gefeuert zu werden. Natürlich werden die Leute weiterhin ordentlich bezahlt. 

Das ist nur ein Beispiel von vielen, bei dem leitende Mitarbeiter in der Bank von Einschränkung bei Ihrem Geschäft sprechen. Natürlich sehen alle ein, dass es nach 2008 andere Regeln geben muss, damit systemgefährdende Risiken nicht mehr entstehen können.

Gleichwohl ist es aber so, dass das Profitstreben und der Wettbewerb niemals aufhört. Dort wo der Regulator zu stark eingreift wandern die Top Talente ab und investieren ihr intellektuelles Kapital in andere Bereiche.

Die Talente der besten Schulen profitieren nicht zuletzt von den Netzwerken Gleichgesinnter, die sich stets mit den neues Themen auseinander setzen. Bitcoin und alle möglichen Derivate sowie Tech im weitesten Sinne, Algotrading etc. sind bspw. die Top Themen unter Ivy League Studenten. Investment Banking ist nach wie vor ein interessanter Job, aber die Kreativität und die überproportionale Belohnung ist in anderen Bereichen einfach höher, wodurch hier auch die Top Talente hingehen.

Michael Douglas als Gordon Gekko - WALL STREET (1987)

Somit: ja, Gordon Gekko ist aktuell. Er ist nicht mehr der Corporate Raider, der Unternehmen kauft und zerkleinert. Fusion und Übernahmen (M&A) in einer globalen Welt sind aktuell fester Bestandteil einer internationalen Unternehmensstrategie. Der Wettbewerb mit den global agierenden Private Equity Funds und der großen Menge an “dry powder” (verfügbares Geld) ist härter und die Arbitragegewinne vermutlich etwas kleiner geworden.

Der Gordon Gekko von heute ist Algotrader, Bitcoin Investor und verfügt über einen komparativen Vorteil die besten Denker unter Vertrag zu haben, die immer wieder durch Innovationen einen Vorteil gegenüber dem Markt erlangen und dadurch reich und berühmt werden.

About the Author Jan Veder

Jan Veder leitet seit Oktober 2010 die Corporate Finance Aktivitäten von Options Group im deutsprachigen Raum. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Executive Search und war im Vorfeld bei einer großen Personalberatung als Manager tätig. Zu Beginn seiner Karriere war Herr Veder bei Siemens Medical Solutions in verschiedenen Beratungs- und Führungspositionen beschäftigt Herr Veder hat zahlreiche Mandate bei Banken, Boutiquen, Beratungshäuser, Private Equity und Industriekunden betreut und verfügt über eine großes Netzwerk im Bereich Corporate Finance. Als Vater zweier Töchter verbringt er gern Zeit mit seiner Familie und trainiert in seiner Freizeit für den Marathon. jveder@optionsgroup.com, Tel. +49.69.9719.4120

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